bEO - berufliche Erfahrung und Orientierung

Projektlaufzeit: 2004-2006

Förderung: Aktion Mensch, Impulsförderung

Die Hamburger Arbeitsassistenz hat das bEO-Projekt  in den Jahren 2004 – 2006 entwickelt und durchgeführt. bEO richtet sich an SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten, die sich entweder in der Abschlussstufe der Schule für Geistigbehinderte befinden oder in der achten oder neunten Jahrgangsstufe in Integrationsklassen. bEO bietet den SchülerInnen die Möglichkeit, sich mit ihren beruflichen Perspektiven insbesondere auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auseinander zu setzen und verschafft ihnen Einblicke in die Arbeitswelt, die intensiv vorbereitet, begleitet und ausgewertet werden.

Darstellung einer bEO-Sequenz 

Im bEO-Projekt bilden jeweils acht bis zehn SchülerInnen eine Lerngruppe, die dann gemeinsam eine Sequenz durchläuft, die aus folgenden Elementen besteht:

  • Vorbereitung
  • Projektwoche
  • Betriebserkundungen
  • Praktikum
  • Auswertung

Zu Beginn einer Projektsequenz werden bisherige Erfahrungen und Schritte der SchülerInnen im Hinblick auf die berufliche Orientierung in enger Kooperation mit den zuständigen LehrerInnen erfasst und entsprechende Interessen und Ziele für den Projektverlauf thematisiert. Weiterhin findet ein Vorbereitungstreffen aller beteiligten SchülerInnen statt. Eltern werden sowohl im Rahmen von Veranstaltungen als auch individuell informiert.

Projektwoche

Im Rahmen der Projektwoche setzen sich die SchülerInnen mit folgenden Themen auseinander:

  • Welche Berufe begegnen mir in meinem Alltag?
  • Welche Erfahrungen in Bezug auf Arbeit habe ich schon gemacht?
  • Warum will ich arbeiten?
  • Wie lebe ich?
  • Was ist mir wichtig in meiner Freizeit?
  • Welche Fähigkeiten und Stärken habe ich?
  • Welche Träume habe ich für meine Zukunft?
  • Welche Arbeitsfelder im Bereich der Anlerntätigkeiten gibt es?
  • Welche Anforderungen werden dort gestellt?
  • Was interessiert mich und was könnte zu mir passen?
  • Was möchte ich kennen lernen und im Rahmen von Betriebserkundungen und Praktika erforschen oder erproben?

In der Projektwoche kommen vielfältige methodische Angebote zum Einsatz. Für bEO wurden insbesondere Ansätze aus dem Konzept der Persönlichen Zukunftsplanung aufgegriffen und methodisch weiterentwickelt.

Betriebserkundungen

Die SchülerInnen erkunden interessengeleitet verschiedene Arbeitsbereiche in unterschiedlichen Betrieben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Sie führen Interviews mit KollegInnen und Vorgesetzten durch und dokumentieren die Ergebnisse. Darüber hinaus befragen sie dort ebenfalls PraktikantInnen oder ArbeitnehmerInnen mit Lernschwierigkeiten, die von der Hamburger Arbeitsassistenz unterstützt werden oder wurden. Dem Ansatz des Peer Counseling folgend werden so Begegnungsmöglichkeiten mit konkreten Personen geschaffen, die Auskunft über Tätigkeiten und Anforderungen in bestimmten Arbeitsbereichen geben können und zudem vor vergleichbaren Herausforderungen wie die SchülerInnen gestanden haben und diese erfolgreich bewältigt haben.

Praktikum

Anschließend absolvieren die SchülerInnen ein dreiwöchiges betriebliches Praktikum in einem Arbeitsbereich, der ihren individuellen Interessen und Möglichkeiten entspricht. Die Hamburger Arbeitsassistenz kann hier auf einen umfangreichen Pool an Betriebskontakten zurückgreifen. Die Praktika werden insbesondere in den Arbeitsbereichen gesucht, in denen auch reale berufliche Perspektiven für Menschen mit Lernschwierigkeiten bestehen, das heißt vorwiegend im Bereich der Helfertätigkeiten beispielsweise in der Gastronomie, im Einzelhandel, in Seniorenheimen, auf Tankstellen oder im Bereich Lager/Verpackung.

Die Praktika stellen eine Begegnung mit der realen betrieblichen Arbeitswelt dar und ermöglichen den SchülerInnen somit, Einblicke in bestimmte Arbeitsbereiche und -abläufe, in das soziale Gefüge eines Betriebs sowie in die jeweilige betriebliche Kultur zu gewinnen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen können sich die SchülerInnen dann mit den betrieblichen Anforderungen auseinandersetzen. Darüber hinaus bieten Praktika die Chance, durch praktische und konkrete Erfahrungen zu lernen.
Die betrieblichen Praktika werden von MitarbeiterInnen der Arbeitsassistenz intensiv unterstützt und begleitet, der Praktikumsverlauf wird mit den SchülerInnen regelmäßig im Prozess reflektiert.

Auswertung

In der abschließenden Auswertungsphase werden in der Lerngruppe zunächst die Erfahrungen aus den betrieblichen Praktika reflektiert und ausgewertet. Anschließend werden die Projektergebnisse vor den LehrerInnen präsentiert. Zum Abschluss findet mit jeder SchülerIn ein Auswertungsgespräch statt, an dem die LehrerInnen und möglichst auch die Eltern teilnehmen. Hier werden die Erfahrungen, die die SchülerInnen im Projekt gemacht haben, und die Erkenntnisse, die sie gewonnen haben, besprochen. Auf diese Weise wird thematisiert, inwieweit und mit welchem Ergebnis die SchülerInnen im Projektverlauf berufliche Wünsche, Fähigkeiten und Interessen entwickeln und überprüfen konnten. Mögliche Perspektiven werden angesprochen, und es geht um die Planung der nächsten Schritte wie beispielsweise weitere Praktika oder Beratungsgespräche beim Schulinformationszentrum oder der Berufsberatung.

Während der Projektlaufzeit von 2004 bis 2006 wurde diese Sequenz fünfmal durchgeführt. Das Angebot wurde im Prozess kontinuierlich ausgewertet und weiterentwickelt. Insgesamt haben 41 SchülerInnen am bEO-Projekt teilgenommen.

Methoden und Materialien im bEO-Projekt 

Im bEO-Projekt wurden vielfältige neue Methoden und Materialien für PädagogInnen entwickelt, die Anregungen für die Gestaltung schulischer Angebote für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten zu unterschiedlichen Bereichen des Themas Berufsorientierung geben. Außerdem ist im Projektverlauf auch eine Vielzahl neuer Arbeitsmaterialien für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten konzipiert worden. Diese Materialien sind ansprechend und umfassend illustriert, so dass sie auch von SchülerInnen mit stark eingeschränkten Schriftsprachkenntnissen gut zu bearbeiten sind. Alle Methoden und Materialien sind im Verlauf des zweijährigen bEO-Projekts in der Arbeit mit unterschiedlichen SchülerInnengruppen mehrfach erprobt und ständig weiterentwickelt worden. Auf dieser CD befinden sich sowohl die genannten Arbeitsblätter als auch ein Verzeichnis mit über 300 Illustrationen, mit denen sich Arbeitsmaterialien bedarfsgerecht und individuell erstellen lassen.

Fortbildungsangebot für LehrerInnen 

Im Rahmen des bEO-Projekts wurde in Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) in Hamburg eine Fortbildungsreihe entwickelt, die allen am Projekt beteiligten PädagogInnen und weiteren interessierten KollegInnen angeboten wurde.

Die Fortbildungsreihe bestand aus drei Veranstaltungen zu folgenden Themen:

  • Das Konzept der Persönlichen Zukunftsplanung und seine Impulse für dieEntwicklung neuer Methoden und Materialien im bEO-Projekt
  • Die Akquisition von Praktikumsplätzen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
  • Die Begleitung, Unterstützung und Auswertung betrieblicher Praktika

Diese Fortbildungsreihe wurde in der zweijährigen Projektlaufzeit zweimal durchgeführt.

Veröffentlichung 

Die Ergebnisse und Materialien von bEO werden veröffentlicht und über die Hamburger Arbeitsassistenz zu beziehen sein.
Die Buchveröffentlichung umfasst eine Standortbestimmung der Berufsorientierung für Menschen mit Lernschwierigkeiten in der Schule und deren Herausforderungen zur Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsleben.
Idee, Methoden und Materialien des Projektes bEO werden dargestellt.
Für Nutzer/innen enthält die Veröffentlichung ferner eine CD-Rom, in der alle im Projekt erarbeiteten - und für die Zielgruppe graphisch aufbereiteten -Materialien (Arbeitsblätter, Illustrationen, Fotos) verfügbar sind.

Die Veröffentlichung (Dokumentation, ca. 150 S. und CD-ROM mit Materialien) ist über die Hamburger Arbeitsassistenz ab März 2007 zu beziehen (38 € inkl. Versandkosten).

Von der Aktion Mensch wurde bEO im März 2006 als "Projekt des Monats" ausgezeichnet und portraitiert.